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zwergenalltag

Abendroutine ohne Militärplan

RoutinenRosalia Albescu6 Minuten Lesezeit
Eine Bezugsperson und zwei Kinder rühren am Küchentisch Teig in einer großen Schüssel, ein Kind streut Streusel hinein, ein Hund schaut über die Tischkante.

Das Badetuch hängt über der Heizung, das Buch liegt aufgeschlagen auf dem Boden, und die Lampe im Kinderzimmer steht auf der weichsten Stufe, die sie kennt. Kein Zettel an der Wand, keine Zahlen auf einer Uhr. Drei Dinge, die jeden Abend ungefähr am selben Platz liegen. Genau das macht unseren Abend erkennbar.

Das Badetuch hängt über der Heizung, das Buch liegt aufgeschlagen auf dem Boden, und die Lampe im Kinderzimmer steht auf der weichsten Stufe, die sie kennt. Kein Zettel an der Wand, keine Zahlen auf einer Uhr. Drei Dinge, die jeden Abend ungefähr am selben Platz liegen.

Ein Abend mit Kindern lässt sich nicht durchplanen. Wer es trotzdem versucht, merkt schnell, dass ein Plan mit sieben Punkten spätestens beim Zähneputzen verhandelt wird. Was bei uns trägt, ist weniger: drei Anker, zwei echte Wahlmöglichkeiten und eine Abbruchregel für den Tag, an dem nichts mehr geht.

Drei Anker reichen

Ein Anker ist ein Wiedererkennungspunkt, kein Programmpunkt. Etwas Warmes, etwas Ruhiges, etwas Dunkles. Bei uns ist das die Badewanne oder das Waschbecken, danach ein Buch, danach die Lampe auf der untersten Stufe.

Anker haben einen Vorteil gegenüber Uhrzeiten. Sie funktionieren auch an Tagen, an denen ihr später dran seid. Um zwanzig nach sieben ist niemand im Haus ein freundlicherer Mensch, nur weil eine Zahl auf dem Zettel steht. Der Anker sagt: Jetzt kommt das Buch. Er sagt nicht: Es ist 19:20, du hast noch elf Minuten.

Damit sie halten, dürfen es nicht zu viele werden. Wer Bad, Zähne, Geschichte, Lied, Kuscheltier, Fenster und Türgriff zu einem festen Ablauf erklärt, hat am Ende eine Liste, die niemand im Kopf behält. Drei reichen. Alles andere darf passieren, muss aber nicht.

Ob ein Anker trägt, zeigt sich nicht am ersten Abend. Es zeigt sich daran, dass ein Kind den nächsten Schritt irgendwann selbst ankündigt und das Buch holt, bevor ich daran denke. Passiert das nach zwei Wochen noch nicht, ist der Anker zu groß oder zu leise. Dann verkleinere ich ihn, statt lauter zu werden.

Wo der Abend verhandelbar bleibt

Ein Abend braucht feste Teile, sonst wird jeder Abend neu erfunden. Er braucht aber auch Stellen, an denen Kinder mitentscheiden. Der Unterschied liegt in der Frage, die ihr stellt.

Fester TeilVerhandelbar
Zähne putzenWelche Zahnbürste, welches Lied dabei läuft
WaschenWanne oder Waschlappen
Ein BuchWelches Buch, wie viele Seiten
Licht ausNachtlicht an oder Tür einen Spalt
Ins Bett gehenWelches Kuscheltier mitkommt

Zwei Optionen sind eine Wahl. Fünf Optionen sind ein Streit mit Ansage. „Willst du ins Bett?“ ist keine Wahl. Es ist eine Frage mit einer richtigen und einer falschen Antwort, und Kinder hören das sofort.

Der Ablauf, wenn es schnell gehen muss

An manchen Abenden ist wenig Zeit und alle sind müde. Für diese Abende hat sich bei uns eine kurze Reihenfolge bewährt:

  1. Alles Nötige in einem Raum. Bad, Pyjama und Buch liegen beieinander. Jeder Weg durch die Wohnung ist eine Gelegenheit, das Spiel wieder aufzunehmen.
  2. Ein Hinweis, dann Handlung. „In fünf Minuten gehen wir ins Bad“ reicht. Danach wird nicht mehr verhandelt. Ich nehme die Hand und gehe los.
  3. Ein Buch, ein Ende. Nach der letzten Seite wird zugeklappt. Wer noch eine Seite anbietet, verlängert den Abschied um zwanzig Minuten.
  4. Licht in zwei Stufen. Erst dunkler, dann ganz dunkel. Die Augen bekommen Zeit, und das Kind auch.

Wenn der Abend kippt

Manche Abende kippen schnell. Ein Kind weint über die falsche Socke, ich höre mich selbst in kurzen Sätzen sprechen, und plötzlich verhandeln wir über Zähne statt über Schlaf.

Für solche Abende habe ich eine Abbruchregel: alles außer Zähne und Licht wird gestrichen. Kein Buch, kein Lied, keine Diskussion über den Pyjama mit dem Loch am Ärmel. Der Abend wird kürzer, nicht schöner, und an diesem Punkt ist das in Ordnung.

Eine Abbruchregel funktioniert nur, wenn sie vorher feststeht. In dem Moment, in dem ein Kind weint, fällt niemandem eine kluge neue Regel ein. Mir hilft es, den Abbruch laut anzukündigen: „Heute machen wir nur Zähne und Licht.“ Kinder protestieren manchmal trotzdem. Aber sie wissen, woran sie sind. Ein Abend, der still eskaliert, ist keiner, den ich empfehlen möchte.

Was abends nicht verhandelt wird

Zwei Dinge verschiebe ich nicht ans Bett: Entscheidungen über den nächsten Tag und Gespräche über Probleme.

Wenn beim Zähneputzen auffällt, dass morgen die Turnhose fehlt, gehört das nicht an die Bettkante. Es gehört auf den Küchentisch, an dem wir den nächsten Tag in ein paar Minuten durchgehen. Wer solche Fragen jede Nacht neu aufmacht, merkt irgendwann, dass niemand zur Ruhe kommt, die Erwachsenen eingeschlossen. Wie so eine Runde aussieht, steht in Wochenplanung in 20 Minuten.

Neue Regeln gehören ebenfalls nicht in den Abend. Wer um halb acht beschließt, dass ab morgen anders geschlafen wird, verhandelt mit jemandem, der schon im Pyjama steht. Veränderungen besprechen wir beim Frühstück, wenn alle wach sind und niemand ins Bett muss.

Was ich am Anfang falsch gemacht habe

Ich habe den Abend eine Zeit lang wie einen Fahrplan behandelt. Alles aufgeschrieben, alles mit Zeiten, alles abgehakt. Das Ergebnis war ein Abend, an dem ich auf die Uhr schaute und die Zwerge auf mich.

Zwei Dinge habe ich daraus gelernt. Ein Abendplan, der nur funktioniert, wenn alle mitmachen, funktioniert nicht. Und Kinder merken sehr genau, ob ein Ablauf ihnen gilt oder meiner Liste. Bei mir klang der Unterschied eine Weile wie ein Protokoll.

Heute steht auf unserem Abendzettel nur, was wirklich passieren muss. Der Rest ist Verhandlung, und Verhandlung ist nichts Schlimmes. Sie dauert nur manchmal länger als das Buch.

Wenn der Abend trotzdem unruhig bleibt

Es gibt Wochen, in denen kein Anker hält. Zähne kommen, der Körper wächst, der Tag war zu voll, oder ein Kind hat etwas erlebt, das es noch nicht in Worte packen kann. In solchen Wochen ist der Abend kein Ablaufproblem. Er ist ein Zustand, der vorbeigeht.

Wenn ein Kind abends regelmäßig nicht zur Ruhe findet, lohnt der Blick auf die Stunden davor: Licht, Lärm, Bewegung, Bildschirme. Was dabei hilft und was nur nach Hilfe aussieht, habe ich in abends zur Ruhe kommen aufgeschrieben. Und wenn ein Kind nachts regelmäßig wieder aufsteht und der Tag danach für alle zu kurz wird, findet ihr in wenn der Zwerg nachts wieder aufsteht eine ruhige Einordnung ohne Versprechen.

Ein Abend mit Kindern wird selten so, wie er im Kopf geplant war. Meistens wird er kürzer, lauter, und irgendein Kuscheltier muss mit ins Bad. Die drei Anker halten trotzdem. Und wenn nicht, ist morgen auch noch ein Abend.

Vielleicht passt das noch